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  • Preisträger

    Gerhard Schopper
    Deutscher Kampfkunstpreis 2018

    Wer von den Bergen lernt, der lernt oft beides: den stillen Respekt und den energischen Einsatz. Er lernt, dass er die großen Dinge nicht beeinflussen kann – das unberechenbare Wetter, die raue Landschaft, die Gefahr der Höhe. Aber er lernt auch, sich auf die großen Dinge einzustellen, ein Teil von ihnen zu sein, sie zu erleben und zu nutzen und sich selbst in ihnen wiederzufinden.

    Dieses Bild, das eine gute Metapher für die Kampfkunst an sich sein könnte, ist für den diesjährigen Hauptpreisträger alles andere als nur ein abstraktes Bild. Gerhard Schopper, 3. Dan ATK-SV und 3000 „N“-Std., lebt wie kaum ein anderer BAE-Meister die Verbindung von Selbstverteidigung und Gelände. Als Survival-Profi führt er in seiner ruhigen, entspannten Art Gruppen von jung bis alt sicher durch die bayerische Bergwelt, und als ATK-Meister geht er ebenso souverän mit den Gefahren von Gewalt und Selbstverteidigung um. In beiden Fällen kommen ihm seine großen Kernkompetenzen zugute: Respekt vor der Gefahr, ein Rundum-Blick auf die Umstände, Verantwortung für sich selbst und andere, und ruhige Entschlossenheit. Diese Kombination ist die beste Voraussetzung für einen großen Budomeister und zugleich in einer solchen Klarheit sehr selten. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass Meister, die diese Eigenschaften auf sich vereinen, sich nicht in den Vordergrund drängen und unauffällig bleiben. Ein Grund mehr, Gerhard Schopper und seine Budo-Verdienste ausdrücklich ins Rampenlicht zu rücken.

     

    Hanna und Claude Weiland / SDS Wilhelmshaven
    Dojo des Jahres 2018

    Das Studio Der Selbstverteidigung (SDS) gibt es seit 1963, und damit länger als die BAE. Diese historische Reihenfolge zeigt, was in der Kampfkunst am wichtigsten ist: das Training! Prüfungen, Seminare, Organisation – alles wichtig, aber alles zweitrangig. Der entscheidende Kontakt des Einzelnen zur Kampfkunst oder Selbstverteidigung findet auf seiner Heimatmatte mit seinem eigenen Lehrer statt. Dort passiert die eigentliche „Transformation“, dort wird ein Mensch zum Kampfkunst-Schüler, manchmal für kurze Zeit, oft für lange, manchmal für den Rest seines Lebens. Diesen großen Wert der Sportschule hatte Horst Weiland in den ersten Tagen des SDS vielleicht noch nicht gesehen, aber schon mit der Grünndung der BAE bewies er, dass er genau aus diesem Grund Schulen wie seine eigene überregional fördern wollte. In diesem Sinne ist das SDS zwar eine Schule wie jede andere, aber zugleich auch eine Ideenschmiede und ein Prototyp für viele professionelle Dojos, die in den letzten 50 Jahren entstanden sind.

    Neben der historischen Bedeutung des SDS sind es gerade in den letzten Jahren natürlich auch ganz praktische Verdienste, die das Traditionsdojo für die diesjährige Auszeichnung qualifizieren. Mit großem Vorsprung führt die Schule die BAE-Ranglisten an, was auf erfolgreiche Sportler nicht nur in einem Bereich, sondern in vielen verschiedenen Disziplinen und Klassen verweist. Weltklasse-Seminare, überregionale Meisterschaften und Ausbildungen für Trainer und Assistenten finden regelmäßig auf den Wilhelmshavener Matten statt. Das wichtigste aber: Die Schule bringt seit Jahrzehnten jedes Jahr laufend Meisterinnen und Meister hervor, die ihre Kampfkunst an neue Schüler in nah und fern weitergeben können.

     

    Dietmar Rabe
    Horst-Weiland-Preis 2018

    „Härte walten lassen, wo sie notwendig ist, Fairness walten lassen, wo sie angebracht ist.“ Dieses markante Zitat kennen wohl alle Anhänger von Horst Weiland. Das Gleichgewicht zwischen Härte und Fairness hinzubekommen, ist dabei nicht ganz leicht, und zwar manchmal aus anderen Gründen, als man zunächst meinen würde. Im Wettkampf wie Judo oder Kickboxen sind beide Seiten noch klar definiert – man kämpft so hart, wie es die Regeln erlauben, und daraus ergibt sich schon die Fairness, vielleicht mit ein bißchen sportlichem Verhalten außerhalb der Kampfzeit – fertig. Aber in der Selbstverteidigung? Wenn alles „gut“ läuft, brauchen wir SV nicht anzuwenden, nur zu trainieren. Fairness im Training? Das ist einfach, Respekt vor dem Partner und Eingehen auf die Bedürfnisse und Schwächen anderer. Aber Härte? Härte in der Selbstverteidigung bedeutet doch absolute Härte ohne Regeln, absolute Kontrolle, absolute Entschlossenheit. Kann man das simulieren? Sicher nicht, aber man kann sich ihr annähern.

    Dietmar Rabe ist im Jiu-Jitsu und Bo-Jutsu zu Hause – zwei Stile, die sich in seiner Bewegung und in seinem Budo-Verständnis perfekt verzahnen. Und zwei Stile, in die er wie kaum ein Budoka schon auf Trainingsebene eine große, konsequente Härte einfließen lässt. Wenn ein Hebel sitzt, dann sitzt er, wenn ein Wurf kommt, dann hat der Partner keine andere Wahl, als sofort zu fallen. Mit ausgefeilter Technik und starker Konstitution lebt Dietmar Rabe seine entschlossene Art des Budo. Er zeigt, dass die Frage von Härte und Fairness gerade dann wichtig wird, wenn es kein Regelwerk mehr gibt – und beantwortet sie für sich und seine Schüler mit kompromisslosem SV-Training.